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Was bedeutet "Tröpfcheninfektion"? Wie sinnvoll sind Schutzmasken?

Im Zusammenhang mit der Übertragung von Krankheitserregern wird häufig von "Tröpfcheninfektion" gesprochen. Vor allem bei der aktuellen Corona-Krise wird davor gewarnt, dass sich das Virus Sars-CoV-2, das die Krankheit Covid-19 auslöst, durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Aber was genau ist eigentlich eine "Tröpfcheninfektion"?

Hinweis: die Artikel dieser Website sind in leicht verständlicher Sprache geschrieben - für Menschen, die Fachartikel nur schwer verstehen. Daher sind die hochkomplexen bio-chemischen Prozesse, die räumlich und zeitlich verwoben sind, nur vereinfacht dargestellt.

Viele Menschen glauben, dass damit große, ausgehustete Speicheltropfen gemeint seien. Wenn man solche Speichertropfen ins Gesicht oder in den Mund bekommt, würde das Virus automatisch übertragen. Aus diesem Grund könne man sich durch Atemschutzmasken schützen - und auch andere schützen, weil die Speicheltropfen nicht durch diese Masken hindurchpassen würden.

Das ist zwar im Prinzip (halb) richtig, aber zu kurz gedacht. Denn eine Tröpfcheninfektion ist viel komplexer ...

Ein Virus ist winzig klein. Das wird einem vielleicht bewusst, wenn man sich klar macht, dass ein Virus in eine Zelle eindrungen muss, um sie als Wirtszelle für die eigene Replikation zu benutzen. Da Viren sehr klein sind, sind sie auch sehr leicht. Deshalb fliegen sie in Luftbewegungen einfach mit. Natürlich können Viren nicht aktiv fliegen - es sind ja im Grunde nur winzige Klumpen, in denen relativ kurze Sequenzen mit RNA (einsträngige genetische Information) enthalten ist. Sie schweben in der Luft.

Atmen = Luftbewegung

Beim Ausatmen wird Luft bewegt - logisch. Diese permanente Luftbewegung bemerken wir fast nie. Lediglich im Winter, wenn man im dämmrigen Licht bei hoher Luftfeuchtigkeit draußen ist, sieht man die Bewegung, die durch die kondensierende Atemluft entsteht. Solche bewegten "Luftschwaden" umgeben uns permanent.

In dieser Luftbewegung ist auch Wasser enthalten, dass aus den eigenen Atemwegen (Mund, Nase, Rachen, Hals) stammt. Die Schleimhäute der Atemwege sind mit einer Flüssigkeit überzogen, und minimale Teile werden davon permanent ausgeatmet.

In diesen Luft-Wasser-Gemisch schweben auch Viren. Sie sind unsichtbar und umgeben infizierte Menschen permanent. Solche Luftbewegungen können auch durch Atemschutzmasken ein- oder ausdringen. Einen vollständigen Schutz bieten diese Masken also nicht - aber sie verringern natürlich die Luftbewegung um den Mundraum.

Durch die Vermischung wird die Konzentration der Atemluft mit zunehmendem Abstand und mit zunehmender Zeit natürlich geringer. Zudem wird die Luftbewegung bei der Mischung gebremst. Je mehr der Luftwirbel sich beruhigt, desto eher sinken die Schwebeteilchen wie z.B. Viren langsam zu Boden.

Tröpfcheninfektion durch aerogene Übertragung
Tröpfcheninfektion durch aerogene Übertragung

Tröpfcheninfektion auch durch Atemluft

Auch bei der (nicht bemerkbaren) Übertragung von Viren durch Atemluft spricht man von Tröpfcheninfektion. Man bezeichnet das auch als "aerogene Übertragung von Schwebestoffen".

Aus diesem Grund ist die wichtigsten Regel die "Abstandsregel": man sollte so viel Abstand zu anderen Menschen halten, dass man nicht in den Umkreis der Atemluft-Verwirbelungen gelangt.

Das Problem: wie groß diese Distanz ist, ist kaum exakt zu beziffern. Sie hängt vom Lungenvolumen, von der Atemfrequenz, von externen Luftbewegungen und vielem anderen ab. Es kann also nur eine ungefähre Angabe sein, die hier gilt. In geschlossenen Räumen sind das vermutlich ca. 100 cm.

Man muss zudem bedenken, das die Anzahl der ausgeatmeten Viren bei infizierten Menschen im Anfangsstadium noch wesentlich geringer ist als bei Menschen, wo die Viren-Replikation durch befalls vieler Wirtszellen in vollem Gange ist. Schwierig wird es allerdings dadurch, dass viele Infizierte kaum Symptome zeigen.

Bindehaut des Auges = Schleimhaut

Was ebenfalls häufig vergessen wird: Die Viren schwimmen in der Flüssigkeit der Schleimhäute - so lange, bis sie geeignete Andockstellen finden. Auch die Bindehaut des Auges (also alles, was bei geöffnetem Auge mit der Außenwelt in Kontakt kommt) ist eine Schleimhaut. Sie ist indirekt über den Kanal der Tränenflüssigkeit mit den Nebenhöhlen der Nase und des Rachens verbunden. Vereinfacht gesagt: ein Virus, dass ins Auge gelangt, kann von dort bis in den Hals fließen.

Die Schutzmasken für Mund und Nase sind nicht geeignet, um die Augen zu schützen.

Brillerträger haben da einen gewissen (geringfügigen) Vorteil. Die Barriere des Brillenglases hemmt natürlich einen direkten Luftstrom - aber natürlich können Viren auch in den Luftteilen enthalten sein, die qausi von der Stirn gebremst langsam nach unten sinken. Allerdings haben Brillenträger auch ein Problem beim Tragen von Atemschutzmasken. Diese können leicht beschlagen, vor allem, wenn man sie falsch trägt. Wie man beim Tragen einer Schutzmaske das Beschlagen der Brille verhindern kann, wird auf Brillen-Sehhilfen.de beschrieben: Mundschutz mit Brille: Beschlagen vermeiden - 5 Tipps.

Coronaviren unter einem Elektronenmikroskop
Coronaviren unter einem Elektronenmikroskop

Fazit: Tröpfcheninfektion ist unsichtbar

Mit Tröpfcheninfektion sind nicht nur ausgehustete Speicheltropfen gemeint - sondern die gesamte nicht sichtbare Übertragung von Viren mit der Atemluft. Es ist daher sinnvoll, den Abstand zu Mitmenschen auf "Atemwirbel-Abstand" zu halten. Wie groß diese Distanz ist, lässt sich nicht exakt beziffern. In aller Regel sinkt das Risiko einer Viren-Übertragung ab einem Abstand von 1-2 Metern erheblich.

Atemschutzmasken vermindern die Luftverwirbelung des Atems. Das ermöglicht es, den Abstand zwischen Infizierten und Gesunden zu verringern. Daher sollten Atemschutzmasken vor allem von Menschen getragen werden, die in engeren Kontakt mit Infizierten kommen. Das gilt insbesondere für medizinisches Personal. Es macht für die meisten Menschen keinen Sinn, Atemschutzmasken zu horten und zum Beispiel zu Hause zu tragen. Das entzieht nur dem Gesundheitssystem notwendige Ressourcen.

Dennoch ist das Tragen einer Mundschutzmaske in der Öffentlichkeit ratsam, nicht nur, um sich selber zu schützen, sondern auch, um andere zu schützen. Vor allem dann, wenn sich die Disztanz-Regel nicht streng einhalten lässt, zum Biespiel im Supermarkt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn es kann gut sein, dass man das Corona-Virus in sich trägt, ohne große Symptome zu haben. Das Immunsystem vieler Menschen kann das Virus gut abwehren. Aber trotzdem gibt es eben leider einige, denen das nicht so gut gelingt. Diese Menschen müssen in solidarischen Gesellschaft geschützt werden.

Coronavirus SARS CoV 2
Künstlerische Darstellung des Coronavirus Sars-CoV-2 von Martin Mißfeldt
Aquarell auf Papier, 38 x 48 cm, 12.3.2020, Weitere Infos zu dem Bild

Quellen / Weiterführende Seiten

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